Kulturpolitik in Düsseldorf: Situation und Neubeginn nach by Wolfgang Horn

By Wolfgang Horn

Kulturpolitik in den Stiidten wurde in der {jffentlichkeit erst wiihrend der siebziger Jahre intensiv diskutiert, etwa als der Deutsche Stiidtetag irn Mai 1973 Thesen einer kritischen Bestandsaufnahme forrnulierte. Neben wachsenden Schwierigkeiten, die kornmunalen Kulturausgaben zu Zeiten eines abflauenden Wirtschaftswachsturns zu finanzieren, traten inhaltliche Bedenken, einen mehr oder minder fest urnrissenen Kanon kultureller Veranstaltungen irnmer weiter unreflektiert zu ubemebrnen. Am Ende dieser Oberlegungen standen Thesen wie, Kultur fUr alle," Forderungen nach altemativen und dezentralen Kulturangeboten sowie die Kritik an der finanziell ubermiichtigen place des Theaters im Kulturetat. Wiihrend diese Diskussion und ihre Thesen in den vergangenen Jahren ein breites publizistisches Echo fan den, fehlen Inforrnationen zur Kulturpolitik vor diesem Zeitpunkt noch irnmer quickly vollig. Als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg einem Triirnmerfeld glich, struggle dennoch schon nach kurzer Zeit das kulturelle Leben in kaum verminderter Intensitiit wieder in Gang gekommen. In Dusseldorf leitete nach der kurzen Intendanz von Wolfgang Langhoff acht Spielzeiten lang Gustaf Grtindgens das Theater. Mitten in dieser Zeit wurde 1951 die Neue Schauspiel-GmbH gegrtindet. An der Kunstakademie wurden Ewald Matar s Neuordnungspliine verwor fen, die Stadt wurde zum Anziehungspunkt fUr Ktinstler, der Kunstverein feierte unter Hildebrand Gurlitt spektakuliire Erfolge. In die gleiche Zeit fiel flir die Oper der Um bau des alten Stadttheaters und die Grtindung der Deutschen Oper am Rhein. Bei den Buchereien verdriingte das dezentrale approach der Volksbuchereien die zuniichst quickly gleich starken privaten, kirchlichen und firrneneigenen Bibliotheken, in der Volks hochschule dominierte das Vortragswesen.

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500 = Vorstellungen; Bt;s. = Besucher Die Diisseldorfer Biihnen verzeichneten damit in den Spielzeiten 1948/49 bis 1950/ 51 die hochsten Besucherzahlen. Die prozentuale Platzausnu"tzung des Schauspiels - exemplarisch fUr die Spielzeit 1949/50 betrachtet - ergab mit-94% einen Maximalwert im Vergleich zu Berlin, Hamburg, Miinchen, Koln und anderen GroBstadten. 138 Griindgens entwarf somit nicht zu Unrecht in einem vertraulichen Bericht an den KulturausschuB im Februar 1949 ein optimistisches Bild der Diisseldorfer Biihnen, zeigte aber auch Probleme auf.

T. nur ein lahr nach der Veroffentlichung inszeniert wurden, erwiesen sich in vielen Fallen als langlebig und gehoren heute zum festen Repertoire des Theaters. Das Diisseldorfer Schauspiel gewann durch die Diskussion dieser Aufftihrungen auch iiberregional an Bedeutung. Dennoch haben Kritiker Gustaf Griindgens mangelnde Originalitat seines Spielplans und Abneigung gegeniiber Experimenten vorgeworfen. In der Tat unterschied sich seine theaterasthetische Konzeption extrem von der des kurz vor der GriindgensVerpflichtung zum Schauspieldirektor bestellten Hans Schalla, der durch seine radika37 len Kolner Studio-Inszenierungen bekannt geworden war und mit seiner ersten Diisseldorfer Regie-Arbeit (Hauptmanns "Die Weber") die Prinzipien des requisitenlosen Spiels ohne Bild, Kostfun und Maske fortsetzte.

Von dieser eventuellen Mehrausgabe erfuhren der Oberstadtdirektor und Stadtkammerer Dr. Rudolf Reisinger nach eigener Aussage erst aus einer Lokalzeitung, die Indiskretionen des bereits informierten Kulturdezernenten Menken verOffentlicht hatte. 216 Als dem Hauptausschu~ und dem Rat die Finanzierung dieser zusatzlichen Ausgabe von 2,7 Millionen DM neben den bereits beschlossenen 5,6 Millionen DM vorgelegt wurde, argwohnte nicht nur die Presse, das Baudezernat sei in Raten vorgegangen, well die entsprechende Gesamtsumme vermutlich nicht ohne weiteres bewilligt worden ware.

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