Internationale Währungsprobleme: Zur Geschichte, Funktion by Peter Czada

By Peter Czada

Wenn im September dieses Jahres die Regierungs-und Notenbankvertre ter des Internationalen Wahrungsfonds und derWeltbankgruppe in Berlin zu ihrer Jahrestagung zusammenkomme," wird die seit Jahren andauernde Verschuldungskrise der Entwicklungslander erneut einen Schwerpunkt der Beratungen bilden. Viele politisch und sozial Engagierte stehen diesen in ternationalen Organisationen mit heftiger Kritik und Ablehnung gegenuber. Sie bezweifeln nicht nur deren Fahigkeit, die Schuldenkrise zu losen, sie er blicken vor allem im Internationalen Wahrungsfonds ein von den united states und den Industrielandern beherrschtes Finanzinstrument, das im Interesse der Glaubigerbanken den hochverschuldeten Entwicklungslandern Bedin'gun gen und Auflagen diktiert, die das Massenelend in diesen Landern verstar ken. Die Reprasentanten dieser Organisationen sehen dies zwar anders, aber auch sie konnen nicht verhehlen, dass derWahrungsfonds und die Welt financial institution mit der Losung der Schuldenkrise uberfordert sind und dass bisher kein allseits akzeptabler "Konigsweg" zur Bewaltigung einer Krise in Sicht ist, die fur Schuldner und Glaubiger gleichermassen gefahrliche Dimensionen er reicht hat. Die Verschuldungsfrage ist aber nur ein -besonders brisanter -Aspekt der Schwierigkeiten, mit denen das internationale Wahrungssystem gegenwar tig konfrontiert ist. Die ehemals allein dominierende Leitwahrung, der US buck, befindet sich in heftigen Turbulenzen, die aussenwirtschaftlichen Ungleichgewichte nehmen zu, internationale Kapitalstrome beeintrachti gen das Wechselkursgefuge mit negativen Folgen fur den Welthandel, der ohnehin durch zunehmenden Protektionismus behindert wird. Die Furcht vor einer neuen Weltwirtschaftskrise erscheint nicht unbegrundet, die Forderungen nach einer Reform des Weltwahrungssystems, nach einem kooperativen Neubeginn, mehren s

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Politische Ereignisse taten ein übriges. Die Wahlerfolge der Nationalsozialisten und Kommunisten hatten Kreditabzüge zur Folge, es kam zu politisch motivierten Devisenabzügen, als der Plan einer Deutsch-Österreichischen ZollUnion (1931) den Widerstand Frankreichs hervorrief. Die Reichsbank war wegen der Devisenabzüge gezwungen, den Diskontsatz zeitweilig extrem zu erhöhen (1931 von 5% auf15%) und die Refinanzierung derBanken bei ihr durch weitere Maßnahmen zu beschränken. Dadurch wurden diese erst recht in die Zahlungsunfähigkeit getrieben, zumal nun nicht nur aus dem Ausland, sondern auch im Inland die Abhebungen (und eine Tendenz zur Kapitalflucht) zunahmen.

Trotz dieser Erkenntnis war die Reichsbank ohnmächtig, zumal sie das tatsächliche Ausmaß der kurzfristigen Auslandsverschuldung gar nicht überblickte. Immerhin versuchte Schacht im Jahre 1927 durch eine Senkung des Diskontsatzes den Zufluß von Auslandsgeld zu stoppen (vgl. Abbildung a. S. 48). Dies gelang auch kurzfristig. Die Überweisung der Reparationszahlungen führte die Reichsbankjedoch wieder an die Grenze der vorgeschriebenen Notendekkung, so daß der Diskontsatz im Laufe des Jahres 1927 wieder erhöht werden mußte.

Der Regierung wurde jedes Weisungsrecht gegenüber der Reichsbank entzogen, der Kredit an das Reich unterlag gesetzlich engen Grenzen, und die Notenausgabe wurde an eine 40%ige Gold-Devisen-Deckung gebunden (davon 3/4 Gold, 1/4 Devisen). Die restlichen 60% konnten aus guten Handels8 Joseph A. SChumpeter, Konjunkturzyklen, Bd. 2, Göttingen 1961, S. 738, Anmerkung 30. 9 Eine zusammenfassende Darstellung und weiterführende Literatur findet sich bei Gerd Hardach, Weltmarktorientierung und relative Stagnation.

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