Angst, Belohnung, Zucht und Ordnung: Herrschaftsmechanismen by Carola Sachse

By Carola Sachse

Seit einigen Jahren hat das Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin, in dessen Schriftenreihe der vorliegende Band erscheint, einen Arbeitsbereich Vergleichende Faschismusforschung eingerichtet. Eine der we­ sentlichen Fragen, die die Forschung in diesem Arbeitsbereich bestimmte, battle das challenge, wie die Wirkung der nationalsozialistischen Herrschaft auf die Kontinui­ tät/Diskontinuität der Entwicklung der Klassenbeziehungen in Deutschland einzu­ ordnen sei. Analysen der nationalsozialistischen Ideologie und des nationalsoziali­ stischen Terrors allein vermögen das Problemfeld nicht abzudecken, ebensowenig abstrakte theoretische Überlegungen. Vielmehr sind hierzu vor allem konkrete Un­ tersuchungen der nationalsozialistischen Herrschaftsmechanismen und der Reak­ tionen auf diese Mechanismen zu erstellen. Es ist nach den weniger spektakulären Formen der alltäglichen Gewalt zu fragen, nach den vielfältigen Sanktions- und Be­ lohnungssystemen, die die Integration der Arbeiterklasse in die nationalsozialisti­ sche "Volksgemeinschaft" steuern sollten. Aus der auf dieser foundation geführten Diskussion heraus, die nicht auf den Arbeits­ bereich Vergleichende Faschismusforschung beschränkt blieb, sondern auch Wissen­ schaftler anderer Bereiche der Freien Universität Berlin und anderer Hochschulen einbezog, bildete sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, deren Mitglieder aus ih­ rem jeweiligen Arbeitszusammenhang Beiträge zur examine konkreter Ausprägun­ gen der nationalsozialistischen Herrschaft verfaßten: Carola Sachse (Politik- und Geschichtswissenschaften), Mitglied des Arbeitsbereichs Vergleichende Faschismus­ forschung, arbeitet zur Zeit an ihrer Dissertation zum Thema "Betriebliche Sozial­ politik unter dem Nationalsozialismus". Tilla Siegel (Wirtschaftswissenschaften), ehemaliges Mitglied des Arbeitsbereichs Vergleichende Faschismusforschung, ar­ beitet an einem Forschungsvorhaben "Lohn als politisches software. Verände­ rung der Formen betrieblicher Herrschaft in der deutschen Industrie 1938/39 bis 1945".

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Bevor ich nun verschiedene Momente und Elemente in der nationalsozialistischen Herrschaft diskutiere, die auf eine Überlagerung von Klassenantagonismen und politischem Konflikt hinwirkten, möchte ich noch einmal betonen, daß sich Unterdrückung, Neutralisierung und Integration nicht gegenseitig ausschließen, ja sie stellen nicht einmal alternative Erklärungsmuster für das Fehlen kollektiven Widerstands seitens der deutschen Arbeiterklasse dar. Im Gegenteil, die verschiedenen Aspekte der staatlichen Politik (Gestapo, Lohnkonzessionen, egalitäre Rhetorik) und die verschiedenen Aspekte der politischen und wirtschaftlichen Lage (berufliche Mobilität) haben sich gegenseitig verstärkt, waren oft interdependent.

Die Frage aber ist wichtig. In diesem Zusammenhang muß die Qualität der proletarischen Kultur in der sozialdemokratischen und kommunistischen Bewegung vor 1933 neu bewertet werden. Die sehr niedrige Anzahl der Überläufer zum Nationalsozialismus, die heroischen Anstrengungen Tausender von Aktivisten, alles, was mit dem Regime zusammenhing, geistig, moralisch und politisch zurückzuweisen, sind Zeuge für ihre Qualität, aber die offensichtliche politische Unsicherheit, Vorsicht und Zurückhaltung von sehr viel mehr Personen, die Gewerkschaftsmitglieder gewesen waren und für die SPD oder KPD gestimmt hatten, weist möglicherweise in eine andere Richtung.

Aus all diesen 39 In der Fonnulierung dieses und einiger anderer Punkte des Schlußteils meines Beitrages haben mir Diskussionen mit Annemarie Tröger sehr geholfen, in denen es um die Ergebnisse ihrer "oral-history"·Forschung in West-Berlin ging. Einige Aspekte fast aller der in diesem Abschnitt aufgeworfenen Fragen können nur durch Forschung dieser Art geklärt werden. 46 Timotby W. MtlSon Faktoren kann nicht die Entwicklung eines Konsenses über die Legitimität der nationalsozialistischen Herrschaft und Politik herausgelesen werden.

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